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  "Landschafts- und Körperspuren auf Antiqua"      Ein Dank an meine Wegbegleiter  
 

 

LANDSCHAFTS – UND KÖRPERSPUREN AUF ANTIQUA 

Ein Beitrag zur Spurensicherung, im Bereich der Konzeptkunst

 

von Helmut BURGER, fertiggestellt von Margarete BURGER

 

Otmar Wallenta geht es bei seinem Projekt darum, kleine oft unbeachtete Relikte vor der Vernichtung oder dem Verlust  zu bewahren, indem er sie durch künstlerische Bearbeitung aufwertet und so ihren Weiterbestand als Kunstwerk sichert.

Damit setzt er auf seine Weise eine Richtung der modernen Kunst fort, die 1915 mit Marcel Duchamps provozierenden Aktionen begonnen hat, der Alltagsgegenstände zum Kunstwerk erklärte, indem er sie in Kunstmuseen an die Wand schraubte und sie letztlich dadurch bewahrte. Bereits 1974 verwendete der deutsche Kunstkritiker Günter Metken den aus der Kriminalistik bekannten Begriff „Spurensicherung“ für  eine besondere Form der Konzeptkunst. Die Spurensicherung versucht alte Spuren zu sichern und durch künstlerische Reflexionen neue Aussagen über das Menschsein zu gewinnen.

 

Otmar Wallenta zeigte von klein auf sowohl ein gesteigertes naturwissenschaftliches als auch künstlerisches Interesse an seiner Umwelt. Die Entscheidung, ob naturwissenschaftliches oder künstlerisches Studium, entschied sein Vater zugunsten von Mathematik, Physik und Chemie. Otmar Wallenta  fand seinen Kompromiss im Lehrberuf. Als universell begabter Mensch fand er dort die Möglichkeit, neben seinen naturwissenschaftlichen Fächern, auch künstlerische Bereiche wie Musik, Bildnerische Erziehung, Darstellendes Spiel zu unterrichten und somit beide Seiten auszuleben und dabei zunehmend zu vernetzen. 2004 schloss er ein Zusatzstudium für „Rhythmik“ ab, das seine Sensibilität für die Eigen- und Tiefenwahrnehmung noch verstärkte. Nebenbei studierte er an der Kunstuniversität Linz Grafik und Malerei (a.o.) und besuchte an der Universität Salzburg Vorlesungen über Mineralogie und Geologie. Die größte frei zugängliche mineralogische Landessammlung stammt von ihm und hat in der Sternwarte des Stiftes Kremsmünster ihre Heimat gefunden.

 

Sein großes Interesse galt schon immer seinen „Landschafts- und Körperspuren“ und es dauerte fast 20 Jahre bis er im Zyklus „Landschafts- und Körperspuren auf Antiqua“ endlich einen eigenständigen  Weg fand.  Auf den ersten Blick schien ihm das vielfach praktizierte Übermalen alter Noten und Schriften zu oberflächlich und nur mit dem Ziel damit auf einfache Art einen besonderen Effekt zu erreichen war ihm zu wenig.

Erst auf den zweiten Blick erkannte er die ungeahnten Möglichkeiten einer Symbiose seiner über Jahre hinweg erarbeiteten reduzierten Landschafts- und Aktspuren mit den Schriftspuren aus vergangenen Jahrhunderten, die so viel an Geschichte in sich bergen. Er begann sich mit Paläografie zu beschäftigen und - wie es seinem Wesen entspricht - mit allen Sinnen in diese Welt einzutauchen. Er begann alte Schriften zu lernen und stöbert nun tagelang in Antiquariaten. Dabei sucht er nach besonderen Inhalten oder Handschrifttypen, die seinem Ductus (=Zeichenstrich) entsprechen. Er lässt mit wenigen Strichen sehr sensible Eindrücke auf den vorgegebenen Strukturen entstehen, sodass die Grenzen zwischen historischer Schrift und seinem Zeichenstrich oft völlig verschwinden und eins ins andere übergeht.

Das ergibt seinen unverwechselbaren Stil – kein Benutzen, sondern ein Gleichklang, ein Neben- und Miteinander, eine Symbiose aus Elementen verschiedener Epochen; eine achtsame Aufwertung und Sicherung dieser alten Spuren aus der Vergangenheit.

Auf den ersten oberflächlichen Blick taucht manchmal die Besorgnis auf „Ja, werden dabei nicht alte zeitgeschichtliche Dokumente verändert oder gar entwertet und beschädigt?“

 

Otmar Wallenta verwendet ausschließlich Dokumente, die vorher einer eingehenden paläografischen Untersuchung auf ihre historische Bedeutung und dem damit verbundenen öffentlichen Anspruch unterzogen wurden. Historisch bedeutsame Dokumente bringt er in Form von Schenkungen den Stadt- und Landesarchiven ein.

Besonders alte Dokumente wie alte Pergamentschriften werden aus Respekt nicht bearbeitet sondern unverändert in Collagen eingearbeitet, aus denen sie jeder Zeit wieder unversehrt entnommen werden können.

Sein Ziel ist es, einen Beitrag für lebendige, zeitgemäße Archivarbeit zu liefern. Die Zeiten,  wo nur eingelagert wird, wo finanzstarke Sammler ihre Schätze im Keller und

Tresoren „bunkern“, muss endlich vorbei sein. Wir alle sollten inmitten unseres erd- und kulturgeschichtlichen Erbes leben und arbeiten. Es kann nicht angehen, dass jemand per Testament verfügt, dass „sein Van Gogh“ mit seinem Leichnam verbrannt wird.

Er versucht in seinem  Projekt Spurensicherung zu retten, was zu retten ist und wenn er ca. 1 Prozent der  historisch eher unbedeutenden Schriften bearbeitet und die Besitzer seine künstlerischen Arbeiten an die Wand hängen und beginnen aus Interesse die Texte zu übersetzen, dann ist viel erreicht – wir leben inmitten unserer geschichtlichen Vergangenheit.  Wer sich so dem Wert dieser Dinge bewusst wird, wird beim nächsten Fund am Dachboden achtsamer mit den Kulturgütern vergangener Zeiten umgehen und sie nicht im nächsten Müllcontainer entsorgen.

 

Es gibt viele Beispiele für das persönliche Engagement von Otmar Wallenta. So hat er, nachdem die Stadt Steyr abgelehnt hat, die Bronzebüste und die Gedenktafel von Franz Schubert an das Forellenquintett mit einem Privatkredit finanziert und so seiner Heimatstadt erhalten.

 

Helmut BURGER, Dir.i.R., Hofrat, Prof., Dr. phil.    († 4.7.2010)

 

Lehramt für AHS und Hauptschulen (Geschichte, Geographie, Deutsch). Lehrtätigkeit am BG/BRG und an der HAK Steyr, Direktor des BRG Linz, Fadingerstraße. Koordinator für Geographie und Wirtschaftskunde an der Pädagogischen Akademie, Linz. Verleihung der Prof. Anton Neumann-Medaille der Stadt Steyr und des goldenen Verdienstzeichens des Landes O.Ö. Zahlreiche Publikationen, Vortragstätigkeit, Reisen in 130 Länder der Erde, Gestaltung der Serie „Let’s swing again“ in Radio OÖ.

 

Margarete BURGER,   medizinische Assistentin i.R.

 

Künstlerisches Schaffen im Bereich der Fotografie und des Amateurfilms. Motive und Themen fand sie auf den zahlreichen Reisen mit ihrem leider 2010 verstorbenen Gatten Helmut zur Genüge.

Zahlreiche Preise und Auszeichnungen für ihre Reisedokumentationen und Filme, wie  „Gesang der Geister über den Wassern“ oder „Das Fenster zur Kunst - Kunst hinter dem Fenster“. Seminare mit „Universumfilmern“ wie Andreas Stiedl und Christian Dimt  haben wesentlich zu ihren Erfolgen beigetragen.

 

Diesen Abschnitt meines künstlerischen Schaffens widme ich meinem leider allzu früh verstorbenen Lehrer und Freund Helmut Burger, der noch selbst an dieser Arbeit mitgewirkt hat.                                                                                     Otmar Wallenta 2011

 

Otmar Wallenta:       Atelier: Ringstraße 11, A-4421 Aschach an der Steyr,

                                   0664 1244436, atelier@wallenta.at, www.wallenta.at,

 

 

 
   

 

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