Otmar Wallenta -seine " Wege ins Bild "      Infos zum Künstler Suiseki
  "Landschafts- und Körperspuren auf Antiqua"       Ein Dank an meine Wegbegleiter  
 

 

EIN DANK AN MEINE WEGBEGLEITER

 Jede Fähigkeit, die es einem erlaubt, anderen Menschen Freude zu bereiten, ihnen zu helfen wenn auch nur für kurze Zeit den Alltag zu vergessen, ist ein besonderes Geschenk, das man weder gering schätzen noch unbeachtet auf die Seite schieben soll. Man sollte diese Fähigkeit vielmehr als Auftrag sehen, daraus etwas Sinnvolles für sich und vielleicht auch für seine Mitmenschen zu machen,

Ein Lehrausgang in Zeichnen war für mich als 14-jährigen Schüler keine ersehnte Abwechslung im Schulalltag. Bedeutete es doch, sich immer wieder zeichnerisch an dem zu reichlich gedecktem architektonischen Büfett meiner Heimatstadt Steyr zu versuchen, um schließlich zu scheitern. Dass mein Lehrer kein geringerer als Heribert Mader war, beeindruckte mich damals in keinster Weise. Er war streng und unermüdlich in seinem Bemühen uns zum „Schauen“ zu erziehen. „Ohne genaues Beobachten kein sinnvolles Zeichnen!“ Ein Stück Schwemmholz erklärte er kurzerhand zum Heiligtum der nächsten 2 Zeichenstunden und es war an uns, ehrfürchtig, ja fast ängstlich zittrig den Formen bis ins kleinste Detail mit unseren plumpen Strichen nachzuspüren.
Die größte Todsünde war und ist es wohl noch immer, nach 2-3 Strichen zu seinem Zeichenlehrer zu gehen mit der Frage „Ich bin schon fertig! Oder soll ich noch etwas machen?“

Aufsteigender Zornesröte im Gesicht des Lehrers entging man am besten dadurch, dass man sich etwas außerhalb  seines Gesichtsfeldes platzierte. Schließlich siegte in ihm doch die Erkenntnis, dass wir nicht alle in Albrecht Dürers Schuhe passten, auch wenn sein Hase jahrelang den Deckel unseres Zeichenblocks zierte, und er setzte sich verständnisvoll zu uns und zeigte uns geduldig, warum auch nicht ein einziger der 2-3 unsicher auf das Papier gekritzelten Striche richtig war. Dafür zeigte er in der nächsten Unterrichtsstunde kein Verständnis, dass pubertierende Jungs und Mädchen im Dunkel des Diavortrages das Händchenhalten dem David von Michelangelo vorzogen.

Seit jener Zeit hat mich das Thema Zeichnen nie wirklich losgelassen. Ich war ein eifriger Zuseher, wenn mein Vater Karikaturen für Maskenbälle zeichnete und damit großflächige Plakate gestaltete.

Nach dem Lehramtsstudium, den ersten Erfahrungen als Junglehrer und der Geburt meiner Tochter begann ich mich ernsthaft mit Grafik und Malerei auseinander zu setzen.

Eines Tages fuhr mein Vater mit mir zu einem seiner „malenden“ Arbeitskollegen. Dabei hatte er seinen eigentümlichen „Schmunzler“ aufgesetzt, der ihn immer verriet, wenn er eine Überraschung  nicht verbergen konnte. Wir betraten eine Wohnung, die gleichzeitig auch das Atelier war, und bereits beim Eintreten empfing mich eine besondere Stimmung. Die Wände voller Bilder und Drucke, unzählige Mappen prall gefüllt mit Skizzen und Aquarellen, alte von einer Patina aus Farben und Gebrauchsspuren gezeichnete Pinsel, Wassergläser, deren Farbreste das einfallende Sonnenlicht zum Leuchten brachte und so den kleinen Raum mir damals wie aus einer anderen Welt erscheinen ließ.

Und inmitten dieser Flut von faszinierenden Eindrücken ein freundlich lächelnder Karl Mostböck, der sich Zeit nahm, mir sein Reich vorzustellen und eine Mappe nach der anderen zu zeigen. Er erklärte mir, dass am Anfang der künstlerischen Arbeit das „Schauen“ steht. Gefolgt von unermüdlich auszuführenden Naturstudien. Hatte ich das alles nicht schon einmal wo gehört? Nicht eine, nicht zehn, nein hunderte Studien legte er mir vor, eine beeindruckender als die andere. Es waren exakte Zeichnungen der Hände, Finger und aller anderen Körperteile. Dabei erzählte er mir von Raphael, den ich bis dahin nur als Erzengel gekannt hatte. Er nannte die Namen vergangener berühmter Meister, die nicht umsonst Dezenien ihres Lebens mit Studien verbrachten, ehe sie sich an die Werke machten, vor denen wir mit Staunen und zum Teil Ehrfurcht  in den großen Hallen der Museen stehen.

 „Wer so die Hand zeichnen kann, der hat sich wirkliches Können erarbeitet.“, sagte er und streckte mir gleichzeitig seine Hand mit den Fingern genau auf mich zeigend entgegen. „Diese Verkürzungen“, erklärte er weiter, „muss man erst einmal bewältigen, um als guter Zeichner zu gelten.“

„Erst wer tausend Aquarelle gemalt hat, kann sich als Kenner dieser Technik bezeichnen.“ Dabei begannen seine Augen zu leuchten und zu sprühen und diese Funken sprangen über auf einen immer kleiner werdenden Bewunderer. Gleichzeitig entsorgte ich in meiner Fantasie beschämt meine wenigen Zeichnungen, die ich bisher jedem Besucher mit dem Stolz des jungen Künstlers präsentiert hatte, das unausbleibliche, nährende und für den Betrachter verpflichtende Lob erwartend. 

In diesem kleinen Raum, der inzwischen auf Grund meiner zunehmenden Kleinheit zu einer Halle wuchs, beschloss ich einen Neuanfang mit mehr Ernsthaftigkeit und Bescheidenheit.

Der Gegenbesuch von Karl Mostböck bei mir zu Hause fiel positiver aus als ich zu hoffen gewagt hatte. Obwohl er an jedem meiner bisherigen „Meisterwerke“ etwas auszusetzen hatte, ließ er mir die Tür offen für eine künstlerische Zukunft.   

Einen guten Freund und Lehrer fand ich in Reinhard Moser, bei dem ich erste Seminare besuchte. Mit seiner Geduld, Ruhe und Ausgeglichenheit erleichterte er mir den Neueinstieg in das Zeichnen und Malen.

Es folgten viele Seminare und schließlich ein außerordentliches Kunststudium an der Kunstuni Linz. Und ich hörte schon viel entspannter zu, wenn Peter Kubovsky uns Schülern Sätze sagte wie: „Ihr müsst mehr schauen, viel mehr Detailskizzen machen und euch nicht mit der ersten Lösung zufrieden geben“. Eines lernte ich bei ihm auch: „Ein guter Maler füllt mit seinem Motiv das Blatt bis an den Rand aus. So beweist er, dass er fähig ist, das ganze Format zu bewältigen“. Er nahm grundsätzlich keine Blätter an, die beschnitten und so zurecht „geschneidert“ waren.

Dank der Unterstützung von Leopold Kogler und dem Amstettner Kunstverein war es mir in der Folge möglich, an interessanten Ausstellungen bis nach Italien teilzunehmen und neue Eindrücke und Erfahrungen zu sammeln.

Seit 2007 kann ich mich zeitlich vollständig der Grafik und Malerei widmen. Ich arbeite in einem großzügigen Atelier und angespornt durch Reinhard Moser habe ich mich endlich intensiv der Malerei zugewandt. So ganz ohne grafische Mittel fühlt man sich als Zeichner anfänglich sehr im Stich gelassen und zeitweilig völlig hilflos angesichts der großen zu bewältigenden weißen Flächen. In dieser Zeit war mir die Unterstützung von Gerhard Almbauer sehr wertvoll. Der erste dabei entstandene Zyklus „Kosmische Imaginationen“ erinnert mich inhaltlich an meine Vergangenheit mit Physik, Mineralogie und Geologie. Mein zweiter Schwerpunkt liegt in den „Körperspuren“, wo noch ein langer Weg auf mich wartet.

Einen langen Weg hat auch meine Frau Edith bisher mit mir geteilt und ich danke ihr für ihre unendliche Geduld und Rücksichtnahme.

Otmar Wallenta

   
   

 

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